Garnisongasse 24, 1090 Wien

Neue Sommeröffnungszeiten

Mo - Fr 9:30 - 12h nachts geöffnet, Sa, So & Feiertags geschlossen.

 
Für Reservierungen, Vorbestellungen, etc. Tel.: 067764339540 oder per email: info[at]cafegagarin.at
 
 

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Still not loving War - Openclipart

kollektivgeführtes Lokal, das Raum für soziales Miteinander, gutes vegetarisches/veganes Essen, Kultur, Musik und Politik bietet

Erstes Statement des Cafe Gagarins

Erstes Statement des Café Gagarin 19.5.22 *english below*

Wir haben am 10.5.2022 einen Brief des WAS (Wiener ArbeiterInnen Syndikat) bekommen, in welchem dem Café Gagarin verschiedene Vorwürfe auf arbeitsrechtlicher, kommunikativer und struktureller Ebene (u.a. Rassismus und Sexismus) angelastet werden. Am Ende des Briefes stand eine nicht aufgeschlüsselte Zahlungsaufforderung von mehreren 1000 Euro sowie die Aufforderung, uns bis zum 18.5.2022 mit einer Stellungnahme zu den Vorwürfen schriftlich zurück zu melden. Von einer Zahlungsaufforderung bis zum 18.5.2022 war keine Rede. Das Schreiben hat uns sehr überrascht. Gemeinsam wurde ein Antwortbrief formuliert, mit einem konkreten Angebot für ein Treffen, um die offenen Fragen zu besprechen, sowie mit unserer Lohnverrechnung und Steuerberatung alle finanziellen Angelegenheiten abzuklären. Gerade weil wir eine Gruppe von mehr als 10 Leuten sind, hat dieser gemeinsam abgestimmte Formulierungsprozess auch die Woche innerhalb der gesetzten Frist in Anspruch genommen. (Auch dieses Statement hat viel Koordinationsarbeit beinhaltet und wird noch aktualisiert werden. Weil wir so viele Leute sind, braucht gemeinsame Meinungsbildung Zeit.) Am selben Abend kam eine Antwort des WAS, dass wenn wir die Geldforderung nicht bezahlen, bereits in derselben Nacht eine Kampagne gegen das Café Gagarin gestartet wird: „Warten bis in 3 Wochen bis wir mit eurer Steuerberatungskanzlei „reden“ ist sicher keine Option, … wir könnten uns alle viele Probleme ersparen, wenn ihr einfach zahlen würdet.

Teil unserer gemeinsamen kollektiven Praxis ist es u.a., sich auch ständig mit internen Konflikten und Strukturen auseinander zu setzen. Beispielsweise haben wir im November letzten Jahres unsere 3 tägige Klausur mit externer Moderation informellen Hierarchien, dem Aufdecken und Entgegenwirken von reproduziertem Sexismus und Rassismus und einer gewaltfreier Kommunikation gewidmet. Das Ergebnis aus diesem gemeinsamen Prozess war unter anderem, die Koordinationsarbeit des vormaligen Kollektives aktiv zu öffnen und alle im Café Gagarin Arbeitenden als dem Kollektiv zugehörig zu erklären (und die frühere Unterscheidung zwischen dem zusätzliche Arbeit übernehmenden ‚Kollektiv‘ und anderen Mitarbeitenden aufzulösen), sowie erfahrenem Sexismus und Rassismus systematisch auf Plena Raum zu geben und aktive Bearbeitung anzugehen. Auch die arbeitsrechtlichen Vorwürfe können wir absolut nicht nachvollziehen. Die Anstellungsverhältnisse sind allen von Anfang an transparent und alle haben dieselben Arbeitsverträge gemäß Kollektivvertrag Gastronomie. Wir sind ein solidarökonomischer Betrieb, alles übrig bleibende Geld wird solidarisch, bedürfnisorientiert und transparent an alle im Gagarin Arbeitenden umverteilt, bzw. es wird gemeinsam beschlossen, wofür dieses verwendet wird (Renovierungen, Anschaffung neuer Arbeitsmittel, etc...). Aufgrund der Corona bedingten Schließungen in den letzten 2 Jahren waren unsere Mittel sehr begrenzt, trotzdem haben wir Mitarbeiter*innen in besonders prekären Lebenssituationen gemeinsam unterstützt, dazu dient u.a. auch die kollektive Mitarbeiter*innenkassa (also unsere Trinkgeldkasse).

Zum Thema gewaltfreier Kommunikation haben wir z.B. nach unserer Klausur anonyme Feedback-Mechanismen zu Arbeitsabläufen und Kommunikationsregeln für schriftlichen Austausch eingeführt, um stressige Arbeitssituationen abzufedern und einen respektvollen Umgang miteinander einzuüben. Das wird nicht das Ende der Auseinandersetzung mit dem Thema sein: Wie in anderen Kollektiven gibt es auch im Café Gagarin Kollektiv Konflikte, die sich gerade im stressigen Arbeitsalltag der Gastronomie punktuell entladen können. Wir bringen diese systematisch auf unseren wöchentlichen und monatlichen Plena an die Oberfläche und bearbeiten sie gemeinsam kontinuierlich.

Wir sind gesprächsbereit gegenüber dem WAS und allen anderen Personen die offene Fragen an uns haben.

Das Gagarin Kollektiv

 

First Statement of Café Gagarin 19.5.22

On 10.5.2022 we received a letter from WAS (Wiener ArbeiterInnen Syndikat), in which Café Gagarin is accused of various accusations on the level of labor law, communication and structure (among others structural sexism and racism). At the end of the letter there was an unenumerated demand for payment of several 1000 Euros as well as the request to report back in writing with a statement on the allegations by 18.5.2022. There was no mention of a request for payment by 18.5.2022. The letter surprised us very much. Together we formulated a response letter with a concrete offer for a meeting to discuss open questions, as well as to clarify all financial issues with our payroll and tax consultants. Precisely because we are a group of more than 10 people, this jointly agreed formulation process also took the week within the set deadline. (Also this statement took a lot of coordination work and will be updated with time. Because we are so many people, forming opinions together takes time.) On the same evening we received a reply from WAS that if we do not pay the money, a campaign against Café Gagarin will be started the very same night: "Waiting until 3 weeks from now to "talk" to your tax firm is certainly not an option, ... we could all save ourselves a lot of problems if you would just pay up." (original above)

Part of our common collective practice is, among other things, to constantly deal with internal conflicts and structures. For example, last November we dedicated our 3-day Klausur with external facilitation to informal hierarchies, exposing and counteracting reproduced sexism and racism, and nonviolent communication. The result of this joint process was, among other things, to actively open up the coordination work of the former collective and to declare all those working in Café Gagarin as belonging to the collective (that is to dissolve a prior distinction between the ‘collective’, responsible for additional coordination work, and all other co-workers) as well as to systemically give space to experienced sexism and racism at plenums and to actively address it. We also cannot at all understand the accusations regarding labor law. The employment relationships are transparent to all from the beginning and all have the same employment contracts according to the collective agreement gastronomy. We are a business based on solidarity economy, all spare money is redistributed in a solidary, need-oriented and transparent way to all people working at Gagarin, or it is decided together what they will be used for (renovations, purchase of new equipment, etc...). Due to the Corona-related closures in the last 2 years, our funds were very limited, but we have nevertheless supported employees in particularly precarious life together, which is also the purpose of the collective employee fund (which constitutes our tip collection).

On the topic of non-violent communication, for example, we introduced anonymous feedback mechanisms on work processes and communication rules for written exchanges after our Klausur in order to soften stressful work situations and foster respectful interaction. This will not be the end of addressing the issue: As in other collectives, there are conflicts in the Café Gagarin collective, which can discharge selectively, especially in the stressful workday of the catering industry. We systemically bring such conflicts to the surface at our weekly and monthly plenums and work through them together on an ongoing basis.

We are ready to talk to the WAS and anyone else who has open questions for us.

The Gagarin Collective